Auswirkungen der Digitalisierung auf den Schweizer Arbeits- und Rekrutierungsmarkt

23.03.2017

Auswirkungen der Digitalisierung auf den Schweizer Arbeits- und Rekrutierungsmarkt

Big Data, Social-Media sowie Automatisierung revolutionieren den Arbeitsmarkt sowie die Prozesse in der Personalbeschaffung. Doch obwohl viele Personaler um die neuen Informationskanäle wissen, hat das digitale Zeitalter im eigenen Unternehmen nur sehr eingeschränkt Einzug erhalten. Auf dem klassischen Arbeitsmarkt ist indes mit erheblichen Verwerfungen zu rechnen.

Neue Generation hat andere Erwartungen an den Arbeitsmarkt

Mit ihren Fähigkeiten, Stärken sowie ihrem Know-how tragen Mitarbeiter massgeblich zum Erfolg eines Unternehmens bei. Entsprechend gross ist die Verantwortung von Personalabteilungen bei der Suche sowie Auswahl von Talenten. Doch die Zeiten, in denen Betriebe ein Stellenangebot inseriert und daraufhin Hunderte Bewerbungen eingingen, sind vorbei. Dabei sind die geringe Zahl an Bewerbungen auf offene Stellten nicht nur dem demographischen Wandel geschuldet. So drängen immer mehr Digital Natives auf den Arbeitsmarkt. Die Generationen Y und Z mit ihren hochqualifizierten Vertretern haben bei der Vielzahl an Jobangeboten die Qual der Wahl. Sie nennen die digitale Welt ihr Zuhause und möchten sich nicht mehr auf klassische Ausschreibungen bewerben. Im Vergleich zu älteren Generationen haben sich ihre Erwartungen geändert. Angesichts dieser Erwartungen sowie dem Mangel an Talenten mit Fähigkeiten mit einem hohen Marktwert, wird sich in Zukunft die aktive Ansprache von Potenzialträgern im Social Web als fester Bestandteil im Prozess der Mitarbeitergewinnung etablieren.

Personalabteilungen im Kampf um Fachkräfte zum Umdenken gezwungen

Neue Technologien eröffnen bisher unbekannte Möglichkeiten im Recruiting, erleichtern die Arbeit und sichern die Entscheidungen im Talentmanagement ab. HR-Technologien nehmen immer mehr Einfluss auf Recruiting und Talentsuche. Wurden die Ansprache von Talenten auf Onlineplattformen sowie die Onlinebewerbung auf vakante Arbeitsstellen zunächst als Ergänzung klassischer Personalbeschaffung mittels Stellenanzeigen und Bewerbungen auf Papier betrachtet, verläuft der Prozess heute nahezu vollständig digital. Die Jobsuche Schweiz verlagert sich zunehmend auf Online-Portale, Blogs und Social-Media-Plattformen. Recruiter sprechen Kandidaten so zusehends in Online-Business-Netzwerken an und verbreiten Stellenanzeigen über sämtliche Onlinekanäle. Im Anschluss an die digitale Bewerbung übernimmt eine Software die Vorauswahl anhand der Bewerberdaten. Zusätzliche Daten zu den Fähigkeiten und Stärken des Bewerbers werden über ein Online-Assessment geliefert. Mit geeigneten Kandidaten führt der Personalverantwortliche schliesslich immer häufiger ein Gespräch via Webcam durch. Beste Chancen werden dabei weiterhin Kandidaten mit Fähigkeiten mit einem hohen Marktwert haben.

Social Media Plattformen auf dem Vormarsch

Besonders erfolgsversprechend für die Gewinnung von Personal mit hohen  Fähigkeiten sind im Social Web die Businessportale. Diese Netzwerke wachsen exponentiell und bilden gefragte Kandidatenpools. Demnach ist es nicht weiter verwunderlich, dass über 800.000 Schweizer Xing sowie mehr als 180.000 LinkedIn nutzen. Diese beiden Plattformen sind jedoch erst der Anfang. Man sollte sich gut überlegen wann es Sinn macht und wann nicht. Personalverantwortliche sollten den Einsatz von Software von der Zielgruppe abhängig machen.

Neuzeitliche Berufe erfordern neue Fähigkeiten

Auch wenn die Digitalisierung den Schweizer Arbeitsmarkt durchrüttelt und nach anderen Fähigkeiten verlangt, darf diese Entwicklung nicht als Jobkiller angesehen werden. Im Gegenteil: So dürften in der Schweiz laut Deloitte bis 2025 netto insgesamt 270.000 neue Arbeitsstellen entstehen. Wer über entsprechende Fähigkeiten verfüge, dürfe somit bei der Jobsuche in der Schweiz weiterhin auf ansprechende Stellenangebote hoffen. Im Gewerbe entstünden neue Jobs, die bis 2025 zu einer steigenden Beschäftigungszahl führen könnten. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt, dass nicht zuletzt dank Automatisierung in den vergangenen 25 Jahren 800.000 Stellen geschaffen wurden. In den meisten Fällen dürften sich lediglich das Jobprofil und somit etwa die erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten verschieben.